Logo der Universität Wien

Kulturerbe

  1. Was ist Kulturgut?
  2. Was ist Kulturgüterschutz?

Was ist Kulturgut?

Ein Kulturgut ist ein Ergebnis künstlerischer Produktion oder ein anderes menschliches Zeugnis, das als wichtig und erhaltenswert anerkannt ist. Sofern sein Schutzstatus institutionellen Charakter hat, spricht man auch von einem Kulturdenkmal. Die Gesamtheit der Kulturgüter wird als kulturelles Erbe oder Kulturerbe bezeichnet. Der Begriff Kulturgüterschutz bezeichnet allgemein alle Maßnahmen zum Schutz von Kulturgütern vor Beschädigung, Zerstörung, Diebstahl und Verlust.

 

Der Begriff des Kulturguts umfasst sowohl bewegliche wie auch unbewegliche Güter. Kulturgüter sind in der Regel von archäologischer, geschichtlicher, literarischer, künstlerischer und/oder wissenschaftlicher Bedeutung. Kulturgüter können sowohl Bestände von Bibliotheken, Archiven und Museen als auch Gebäude (Baudenkmäler wie Kirchen, Klöster, Schlösser) sein. Seit den 1960er Jahren werden auch Werke der technischen Kultur verstärkt als Kulturgut anerkannt (z.B. historische Produktionsanlagen, Verkehrsmittel etc.). Kulturgüter entstammen häufig aus der Hochkultur, sie können aber auch zur Volkskultur, der Alltagskultur oder Industriekultur gehören.

 

Die Beschädigung oder Zerstörung von Kulturgut im Zuge bewaffneter Konflikte (intentionell oder als kollateral), durch Naturkatastrophen oder im Kontext wirtschaftlicher Entwicklung, die Plünderung von Kulturstätten, der Diebstahl von Kunstgegenständen aus Kirchen und Museen und Raubgrabungen an archäologischen Stätten bedrohen die wissenschaftliche Erschließung sowie die Erhaltung von und den allgemeinen Zugang zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe.

 

Der Umsatz aus dem illegalen Handel mit Kulturgut geht in die Milliarden. Der dadurch verursachte Verlust an Kulturerbe ist unermesslich. Neben dem Handel mit Waffen, Drogen, Menschen, und bedrohten Tierarten ist der illegale Handel mit Kulturgut einer der profitabelsten Zweige der internationalen organisierten Kriminalität und dient auch der Finanzierung von internationalen Terrororganisationen. Dadurch wird die Plünderung kultureller Stätten, der Diebstahl von und der Handel mit Kulturgut auch zu einer Frage der internationalen Sicherheit.

Alle diese Faktoren haben wesentlich zum Verlust von Kulturgut seit dem Ende des 2. Weltkriegs beigetragen, der nach Schätzungen der UNO etwa 50% allen Kulturerbes beträgt.

 

Die internationale Staatengemeinschaft reagierte deshalb mit einer Reihe von Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut und formulierte internationale Rechtsinstrumente:

  • Die Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (Haager Konvention)
  •  Die Konvention zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut 

  • Die Unidroit-Konvention über gestohlene oder rechtswidrig exportierte Kulturgüter.

Was ist Kulturgüterschutz?

Angesicht des massiven Verlusts von Kulturgut in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sowie der mannigfachen neuen Bedrohungspotentiale für Kulturgut müssen Wissenschaftler aller Disziplinen ihre Positionen überdenken und auf diese Entwicklungen reagieren. Dies erfordert neue multi- bzw. inter-, vor allem auch transdisziplinäre Zugänge in einem vielfältigen internationalen Netzwerk von Partnern. Dabei geht es um ein weites Feld von Forschungsfragen, die philosophische, ethische, juridische, humanitäre, sozial, soziologische, psychologische, humanistische, historische, religiöse, kulturelle, ökonomische, politische, and militärische Aspekte betreffen. Derartige multi- sowie transdisziplinäre Zugänge werden ein Verstehen jener Mechanismen ermöglichen, die zu Beschädigung, Zerstörung, Diebstahl und Verlust von Kulturgut in der Diversität der gegenwärtigen und künftigen Bedrohungspotentiale und -szenarien führen. Ein allgemeines Ziel der Forschung muss die Entwicklung eines komprehensiven Zugangs zum Kulturgüterschutz sein. Dafür müssen neue methodische Wege gefunden und beschritten werden. Dieser Zugang soll es ermöglichen, eine solide Basis für die Entwicklung neuer Kapitel des humanitären Völkerrechts im Bereich des Kulturgüterschutzes, effektiver Verfahren und Hilfsmittel für den Kulturgüterschutz für Regierungsstellen und -organisationen, Strafverfolgungsbehörden, öffentliche Einrichtungen und Nicht-Regierungsorganisationen und anwendbarer Prinzipien für den militärischen Kulturgüterschutz zu schaffen.

Das neue Zentrum soll der Bündelung der verschiedenen Kompetenzen im Bereich des Kulturgüterschutzes an der Universität Wien und darüber hinaus dienen und eine gemeinsame Durchführung von Projekten in der Forschung und der Lehre sowie von Veranstaltungen ermöglichen oder erleichtern.

Kompetenzzentrum Kulturerbe, Kulturmanagement und Kommunikation

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Währinger Straße 29 (Top 7.27)
1090 Wien

ZVR: 020271428

T: +43-699-11444823
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0
Letzte Änderung: 04.04.2017 - 12:52